Schmutzige Gedanken – welche Sneakers so richtig Dreckig sein müssen

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Normalerweise ist der Sneaker-Nerd darauf bedacht, seine kostbaren Treter so lange wie möglich brandneu aussehen zu lassen. So achtet er akribisch darauf, jeden kleinen Fleck und jeden noch so kleinen Spritzer sofort zu beseitigen. Er gibt Unsummen für Pflege- und Reinigungsmittel aus, deren Wirksamkeit zumindest zweifelhaft ist. Er weigert sich, bei Regen auch nur einen Schritt mit den schneeweißen Kicks für die Tür zu setzen und umläuft Pfützen im Zehn-Meter-Radius. Dabei gibt es Sneakers, die nach Dreck geradezu schreien. Welche das sind und warum gerade sie den Dreck benötigen, um ihre volle Look-Wirkung zu entfalten – das haben wir für euch herausgefunden.

Die Nummer Eins unter den Sneakers, die dreckig sein MÜSSEN, um ihre einzigartige Wirkung entfalten zu können, sind zweifelsfrei die All Star-Klassiker von Converse. Mal ganz ehrlich: Wer darauf achtet, seine Chucks immer sauber zu halten, der hat es einfach nicht verstanden. Das mag vielleicht zunächst provokant klingen, ist aber leider einfach eine Tatsache – Punkt! Converse All Stars – egal welcher Farbe und Form – weisen erst dann ihren urtypischen, charakteristischen Look auf, wenn ihre Sohle schmutzig und abgelatscht, der Stoff ausgebeult und die Schnürsenkel verfärbt sind. Über die Jahre hinweg hat sich ein so ein bestimmtes Bild dieser Sneakers etabliert, mit welchem der Hersteller Converse sogar immer wieder für die Schuhe geworben hat. Entscheidend dafür war vor allem die Tatsache, dass sich Fans die Schuhe nicht nur zu eigen machten – sie machten sie vielmehr zu einem eigenen Kunstwerk. Die ursprünglich als Basketball-Sneakers konzipierten Schuhe wurden nämlich schon bald von den Kids als Streetwear-Schuhe angenommen und machten vor allem in der Grunge-Ära der 90er eine interessante Entwicklung durch. Passend zu schlabberigen Jeans, langen Haaren und großen T-Shirts wurden Chucks hier dreckig und abgewetzt gerockt. So konnte sich das Bild der dreckigen Chucks als Teil einer Jugenduniform in den Köpfen der Menschen manifestieren und verhalf dem Produkt schließlich zu einem bis dato unerreichten Erfolg. Zusätzlich werden Chucks bis heute oft und gerne mit aufgerissenen Nähten und kleinen Löchern getragen sowie mit Pins oder kleinen Aufnähern verziert. Sie schaffen damit – als ein Schuh(!)-Modell – den wohl einzigartigen Spagat zwischen Mode-/Konsum-Wahn und gesellschaftskritischem Rebellentum.

Obwohl Chucks ganz zweifelsfrei – wenn man sie so nennen möchte –  DIE Dreck-Schuhe schlechthin sind, sind es nicht die einzigen, mit denen man auf den Clean-Look verzichten sollte. Durchstöbert man die Foren nach entsprechenden Meinungen zu anderen Schuhen und Sneakers, finden sich auch andere Beispiele, auf die eine ähnliche Stil-Politik zutrifft.

In diesem Zusammenhang müssen die gerade in den letzten Jahren wieder sehr beliebt gewordenen Doc Martens erwähnt werden. Die populären Springerstiefel gelten bei vielen als Festival-Schuhe schlechthin und werden häufig auf Veranstaltungen wie Rock am Ring gesichtet. Dass es dort, gerade bei Regenwetter, etwas dreckiger zugeht, ist bekannt. Dass Doc Martens aber genau aus diesen Gründen dort am liebsten getragen werden, jedoch auch. Viele Fans sind der Ansicht, dass die Martens nur mit leichtem Schmutzfilm so richtig authentisch rüberkommen und tragen sie ausgiebig bei schlechtem Wetter ein, bis sie schließlich den perfekten Dirty-Look aufweisen.

Doch selbst bei einigen hochpreisigen Luxusmodellen geht nichts ohne ein bisschen Schmutz. Die heiß begehrten Acne Pistols sehen laut Ansicht vieler Fans erst so richtig ausgelatscht so richtig gut aus. Angesichts des extrem hohen Preises der Ankle Boots mag sich das vielleicht etwas verrückt anhören, gleichzeitig scheint ihnen jedoch tatsächlich noch etwas an Charakter zu fehlen, wenn sie noch in ihrem unbefleckten Glanz erstrahlen. Erst wenn das Leder etwas abgewetzt und brüchig und das Material etwas ausgebeult erscheint, kommt der wahre Charme der Boots zur Geltung.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese sogenannten Dreck-Regeln lassen sich definitiv nicht auf alle Schuhe oder Sneakers anwenden. Tatsächlich trifft das Verlangen nach Schmutz nur auf einige wenige Sneakers zu. Chucks, Doc Martens und Pistols sind drei der populärsten Beispiele. Die neusten Jordans in abgewetzt zu tragen kommt nach wie vor nicht infrage. Muss es ja auch nicht – schließlich haben wir genug damit zu tun, mit unseren Chucks durch Schlammgruben zu waten. In diesem Sinne: Stay fresh, stay dirty!

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