Auf in die Zukunft – der Nike MAG 2011

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Wer Schuhe liebt, der will sich selten mit Mittelmaß zufrieden geben. Natürlich schätzen Modekenner die Klassiker unter den Sneakers und verstehen es, im richtigen Moment auch mal das schlichtere Modell zu tragen. Wer allerdings auf der Straße, auf dem Schulhof oder auf Partys der absolute Mack sein will, dem die Mädels (oder Boys) scharenweise zu Füßen liegen, der besteht wie selbstverständlich darauf, neben dem Pflichtsortiment auch die abgefahrensten und auffälligsten Schuhe vorrätig zu haben. Hin und wieder liefern die großen Sneakerproduzenten in kleinen Dosen die nötige Luxus-Ausstattung für den Fuß des geneigten Extremschuh-Liebhabers. Hier gilt die Faustregel: Je ausgefallener desto besser. Neben dem derzeit noch immer alles überstrahlendem Retrowahn mit immer mehr Schuhen, die aussehen wie aus den 70ern oder 80ern, erfreut sich auch ein anderer Look immer größerer Beliebtheit – nennen wir ihn mal „Future Sneakers“. Future Sneakers geben einen Dreck auf immer wieder aufgewärmte Looks, die zwar an und für sich cool, aber irgendwann auch langweilig sind, sondern gehen neue Wege.

Nike beispielsweise beschritt eben jene neuen Wege im Sommer letzten Jahres. Die Idee für das eigene paar Future Sneakers des Weltkonzerns war dabei allerdings ironischerweise eine ziemlich alte. Sie stammte nämlich aus dem zweiten Teil des Film-Klassikers „Zurück in die Zukunft“. In diesem trägt Michael J. Fox‘ Charakter Marty McFly ein futuristisch anmutendes Paar Nikes, die sich selbst zuschnüren und einen leuchtenden „Nike“-Schriftzug an der knöchelhohen Schnalle tragen. Sneaker-Freaks waren verrückt nach den mysteriösen Schuhen und warfen mit utopischen Summen für ein paar Treter herum, die es nicht einmal zu kaufen gab.

Über die Jahre hinweg flachte der Hype keinesfalls ab, im Gegenteil. Er nahm sogar derartige Ausmaße an, dass Sneakerheads soweit gingen, sich den Schuh selbst zu konstruieren. Dem voraus ging die Veröffentlichung des Nike Hyperdunks, der zwar in seinen Grundzügen bereits an den mysteriösen Back to the Future-Schuh erinnerte, im Großen und Ganzen jedoch weit von dessen Style entfernt war. Sneaker-Freak Mark Kurath machte als erster das Unmögliche möglich, indem er einen professionellen Schuhmacher 4000 US-Dollar dafür zahlte, ihm ein Unikat der Nike „Marty McFly’s“ zu konstruieren.

Bei Nike selbst erkannte man nun offenbar auch den Hype, der um die Future-Sneakers herrschte und schritt nun ebenfalls zur Tat. So erschienen im September 2011 schließlich die originalen Nike Air MAG 2011. Limitiert auf 1500 Stück, ohne offizielle Preisempfehlung, sondern lediglich zu ersteigern auf eBay. Doch anstatt sich mit den Schuhen, für die die Gebote auf 11.000 Dollar und höher stiegen, die eigenen Taschen vollzuhauen, verband Nike den Verkauf mit einer Charity Aktion. Der Erlös ging nämlich gänzlich an die Michael J. Fox Stiftung für Parkinson-Forschung (der Hollywood-Star selbst ist seit einigen Jahren an Parkinson erkrankt). Begleitet wurde das Release der „most famous shoes never made“ mit einer Kampagne aus aufwendigen Werbespots unterlegt von der orchestralen „Zurück in die Zukunft“-Musik.

Der Look ist laut eigener Aussage der Nike Designer dabei so nahe am (Film-)Original, wie möglich: der MAG 2011 hat eine Gummisohle mit Gittermuster und einer Art Schaumfüllung im Inneren, die für besonderen Tragekomfort sorgen soll und – wie das Modell im Film – leuchtende Elemente an der Schnalle (der Nike Schriftzug), an der Ferse (bunte LEDs) an der Sohle (blaue LEDs). Sie werden durch einen Schalter an der Zunge eingeschaltet und sind wiederaufladbar. Auch sonst hat man beim Design nicht gespart: Der Großteil des Schuhs besteht aus einer grauen Stoffschicht, er hat eine Art Hubbel an der Ferse, in welchem die bunten LEDs integriert sind und ist ungewöhnlich hoch geschnitten. An der Seite findet sich der obligatorische Nike Swoosh. Lediglich die sich selbst zuschnürenden Power-Laces waren wohl offenbar zu weit abseits des Machbaren, weswegen sich die MAGs – wenn schon nicht funktional – dann immerhin visuell möglichst am Original orientieren.

Ein verrückter Schuh also. Die 1500 glücklichen Menschen, die ihn spazieren tragen dürfen, werden sich – je nach Kaufpreis – wohl zwei Mal überlegen, ob sie dies auch wirklich tun werden. Peinlich muss einem das in Zeiten leuchtender Sportschuh-Sohlen bei Kindern eigentlich nicht mehr sein. Und schließlich ist man ja als Sneaker-Fan gerade darauf bedacht, die Blicke auf das Schuhwerk zu ziehen. Und mit welchen Exemplaren könnte das schon besser funktionieren als mit den MAGs? In diesem Sinne: Auf in die Zukunft, weg vom 08/15-Stil!

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